Gemeinsam stark in der Zeugnisphase: Zuhören, entlasten, unterstützen

  • Nummer gegen Kummer e.V. und Bundesschülerkonferenz machen anlässlich der Halbjahreszeugnisse auf wachsende Belastungen junger Menschen aufmerksam

Berlin/Wuppertal, 26.01.2026. Die Halbjahreszeugnisse markieren für viele Schüler*innen eine sensible Phase. Neben schulischen Leistungen rücken in dieser Zeit häufig auch Selbstzweifel, Leistungsdruck, Konflikte im sozialen Umfeld oder Erfahrungen mit Mobbing in den Vordergrund. Die Bundesschülerkonferenz (BSK) und Nummer gegen Kummer e.V. nehmen die anstehende Zeugnisvergabe daher gemeinsam zum Anlass, auf die zunehmenden psychischen Belastungen junger Menschen hinzuweisen – und auf ein System, das Unterstützung leisten soll, aber selbst zunehmend unter Druck steht.

„Die Zeugnisphase darf nicht darüber entscheiden, wie junge Menschen sich selbst sehen oder wie wertvoll sie sich fühlen. Wenn diese Gefühle im Raum Schule jedoch zum Alltag werden, dann entsteht der perfekte Nährboden für Schulangst, Ausgrenzung oder psychische Erkrankungen. Gerade in kritischen Entwicklungsphasen sind solche Einschränkungen oft viel weitreichender und bedürfen schneller Reaktion vom gesamten System.“, sagt die stellvertretende Generalsekretärin der BSK, Lilli Berthold.

Mit ihrer Mental-Health-Kampagne „Uns geht’s gut?“ macht die BSK deutlich, dass Schule längst mehr ist als ein Ort der Wissensvermittlung. Lehrkräfte sollen zuhören, entlasten, unterstützen, Konflikte auffangen und zugleich den Bildungsauftrag erfüllen. Doch viele stoßen dabei an ihre Grenzen. Das Deutsche Schulbarometer 2025* zeigt: 43 Prozent der Lehrkräfte sehen einen hohen Fortbildungsbedarf, um mit den wachsenden psychischen und sozialen Herausforderungen von Schüler*innen umzugehen. Gleichzeitig fehlt es vielerorts an professioneller Unterstützung: Nur 61 Prozent der Lehrkräfte schätzen die psychosoziale Infrastruktur ihrer Schule als ausreichend ein. 38 Prozent der Lehrkräfte gaben an, dass die Unterstützung durch Schulpsychologie an ihrer Schule „überhaupt nicht“ ausreichend ist. Für Schüler*innen bedeutet das: Sie erleben Belastungen, ohne ausreichend zu lernen, wie sie mit Stress, Druck oder starken Gefühlen umgehen können. Themen wie emotionale Selbstregulation, mentale Gesundheit oder der Umgang mit Krisen finden im Schulalltag oft nur am Rand statt – obwohl sie für das Wohlbefinden junger Menschen zentral sind.

Hier setzen die Angebote von Nummer gegen Kummer e.V. an. Mit seinen niederschwelligen, anonymen und kostenlosen Beratungsangeboten bietet der Verein gemeinsam mit seinen Mitgliedsverbänden eine wichtige Anlaufstelle. Kinder, Jugendliche und Eltern können im vertraulichen Gespräch über ihre Themen reden und finden jemanden, der zuhört – unabhängig von Noten, Leistungsbewertungen oder Erwartungen. Gerade in der Zeugnisphase, in der Lernstress häufig mit familiären Spannungen oder persönlichen Sorgen zusammenkommt, sind solche Anlaufstellen von besonderer Bedeutung.

„Nicht jede Belastung kann oder muss in der Schule aufgefangen werden. Umso wichtiger ist es, dass junge Menschen wissen: Es gibt auch Orte außerhalb des Klassenzimmers, an denen sie über ihre Sorgen sprechen können und Unterstützung erfahren.“, sagt Anna Zacharias, Geschäftsführerin von Nummer gegen Kummer e.V.

Die BSK und Nummer gegen Kummer e.V. machen deutlich: Mentale Gesundheit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Zeugnisse sollten nicht zum einzigen Gradmesser für den Wert oder die Zukunft junger Menschen werden. Vielmehr braucht es Verständnis, Gesprächsbereitschaft und verlässliche Unterstützungsangebote – für Schüler*innen ebenso wie für die Erwachsenen, die sie begleiten.

*Robert Bosch Stiftung (2025): Deutsches Schulbarometer: Befragung Lehrkräfte. Ergebnisse zur aktuellen Lage an allgemein- und berufsbildenden Schulen. Stuttgart: Robert Bosch Stiftung

Über die Bundesschülerkonferenz

Die Bundesschülerkonferenz (BSK) ist die ständige Konferenz der Landesschülervertretungen in Deutschland. Sie vertritt die Interessen von Schüler*innen auf Bundesebene und setzt sich unter anderem für bessere Lernbedingungen, Mitbestimmung und die Stärkung der mentalen Gesundheit junger Menschen ein.

Über Nummer gegen Kummer e.V.

Nummer gegen Kummer e.V. ist der Dachverband für örtliche Vereine, die in Deutschland ein Kinder- und Jugendtelefon und Elterntelefon betreiben. Die derzeit 87 lokalen Träger der Beratungstelefone sind überwiegend örtliche Verbände des Deutschen Kinderschutzbundes sowie anderer Wohlfahrtsverbände. Dieses Netzwerk stellt das deutschlandweit größte kostenfreie, telefonische Beratungsangebot für Kinder, Jugendliche und Eltern dar. Speziell ausgebildete und hauptsächlich ehrenamtlich engagierte Berater*innen unterstützen die Anrufenden im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe bei Alltagsproblemen und in schwierigen Lebenssituationen. Zur Finanzierung des Netzwerkes bemühen sich Nummer gegen Kummer e.V. bundesweit und seine Trägervereine lokal um Spenden von Unternehmen, Organisationen und Privatpersonen.

Nummer gegen Kummer e.V. ist aus dem Deutschen Kinderschutzbund hervorgegangen und diesem als Mitglied in seiner Zielsetzung verbunden. Der Dachverband ist Mitglied bei Child Helpline International.

Nummer gegen Kummer e.V. wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und von der Deutschen Telekom unterstützt. Seit 1991 stellt die Deutsche Telekom als Kooperationspartner der Nummer gegen Kummer e.V. die technische Infrastruktur für das bundesweite Beratungsangebot kostenfrei zur Verfügung. Außerdem übernimmt sie die Verbindungsgebühren für die Anrufe an die Beratungstelefone.

Elterntelefon unter 0800 – 111 0 550

Mo – Fr von 9 – 17 Uhr sowie Di und Do von 17 bis 19 Uhr

Kinder- und Jugendtelefon unter 116 111

Mo – Sa von 14 bis 20 Uhr

Online-Beratung für Kinder und Jugendliche per Mail und Chat unter

www.nummergegenkummer.de

Helpline Ukraine für ukrainische Kinder, Jugendliche und Eltern

unter 0800 – 500 225 0

Mo – Fr von 14 bis 17 Uhr

„Bayerns Familien geraten unter Druck – und Kinder tragen die Folgen“

Kinderschutzbund Bayern warnt: Schutzräume für Kinder dürfen nicht bröckeln

München, 2. Dezember 2025 – Die Belastungen für Kinder und Familien in Bayern nehmen spürbar zu. Steigende Lebenshaltungskosten, familiäre Konflikte, psychische Belastungen und digitale Überforderung prägen den Alltag vieler junger Menschen – und bringen Familien in eine Lage, die sie immer häufiger alleine kaum noch bewältigen können. Gleichzeitig geraten Unterstützungsangebote an ihre Grenzen.

Immer deutlicher zeigt sich: Kinder und Jugendliche wirken häufiger erschöpft, verunsichert oder überfordert. Familiäre Spannungen, schulischer Leistungsdruck und digitale Dauerpräsenz verstärken sich gegenseitig. Das Ergebnis ist ein Alltag, der für viele Kinder kaum noch Halt bietet.

„Kinder spüren Krisen mit einer Wucht, die Erwachsene oft unterschätzen. Und wenn Unterstützung fehlt, trifft das die Jüngsten am härtesten. Wir stehen an einem Punkt, an dem Schutzangebote nicht nur wichtig – sondern überlebensnotwendig sind“, warnt Susanna Kaiser, Vorsitzende Landesvorstand des Kinderschutzbundes Bayern.

Der Kinderschutzbund und seine 56 Orts- und Kreisverbände bieten bayernweit Schutz, Stabilität und Orientierung – insbesondere dort, wo staatliche oder schulische Strukturen nicht ausreichen:

  • Begleiteter Umgang: geschützter Rahmen für Kinder in belasteten Trennungs- und Konfliktsituationen
  • Familienpaten Bayern: ehrenamtliche Begleitung, die Familien entlastet und Kindern verlässliche Bezugspersonen schenkt
  • Medienprävention & Medienlöwen Medientraining®: Unterstützung bei digitalem Stress, Cybermobbing und Medienkompetenz
  • Prävention sexualisierter Gewalt (Starke Kinder Kiste®): frühe Stärkung von Selbstwert und Schutzkompetenzen
  • Elternbildung & interkulturelle Beratung: Unterstützung und Orientierung in herausfordernden Lebenslagen

Doch genau diese Angebote sind vielerorts bedroht. Sie sind nicht dauerhaft staatlich finanziert und können nur weitergeführt werden, wenn genügend Mittel bereitstehen. In einzelnen Regionen entstanden bereits Wartelisten – ein deutliches Zeichen, dass der Bedarf stärker wächst als die verfügbaren Ressourcen.

„Wir dürfen nicht zulassen, dass Schutzräume bröckeln, während die Herausforderungen wachsen. Wer heute spendet, sorgt dafür, dass ein Kind morgen nicht allein durch eine Krise gehen muss. Jede Spende ist ein Stück gelebter Kinderschutz in Bayern“, so Kaiser.

Spendenkonto

Kinderschutzbund Landesverband Bayern e.V.

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE82 3702 0500 0007 8025 00

BIC: BFSWDE33XXX

Online-Spende: https://kinderschutzbund-bayern.de/spenden-fuer-kinder/

Kreative Weihnachtswerkstatt beim Kinderschutzbund Erlangen: Miteinander gestalten, Miteinander wachsen

Kreative Weihnachtswerkstatt beim Kinderschutzbund Erlangen: Miteinander gestalten, Miteinander wachsen

Beim ersten Adventslicht wurde es im Ehrenamtsprojekt Familienpatenschaften des Kinderschutzbundes Erlangen besonders stimmungsvoll: Über 50 große und kleine Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen zusammen, um gemeinsam kreativ ins Weihnachtsfest zu starten. In gemütlicher Atmosphäre entstanden bei Plätzchen- und Kinderpunschduft die ersten selbstgemachten Geschenke des Jahres – liebevoll gestaltet aus Holz, alten Buchseiten und buntem Moosgummi. Eine kuschelige Leseecke mit vielen weihnachtlichen Kinderbüchern lud zusätzlich zum Verweilen ein, und eine Patin begeisterte die anwesenden Kinder mit einer lebhaften Vorleserunde.

Auch ein großer Tisch voller Weihnachtskarten wurde rasch zum Mittelpunkt des Vormittags: Mit funkelnden Sternen, warmen Farben und persönlichen Botschaften verziert, gingen viele kleine Kunstwerke aus fleißigen Händen hervor – bestimmt, um anderen eine Freude zu machen und die Adventszeit ein Stück heller zu gestalten.

Dieses fröhliche Miteinander zeigte einmal mehr, was das Projekt Familienpatenschaften ausmacht: Vertrauen, Verbundenheit und das gemeinsame Engagement für Kinder und Familien in Erlangen und Erlangen-Höchstadt. Zum Jahresabschluss wurden auf einem großen Plakat persönliche Glücksmomente aus den Patenschaften festgehalten – von einer stimmungsvollen Laternenwanderung über schöne Gespräche, die Freude beim Wiedersehen, gemeinsames Backen, Lesen und Spielen bis hin zu aufregenden Erlebnissen wie dem Traktor­fahren. Wir danken allen ehrenamtlichen Patinnen und Paten sowie den Patenfamilien ganz herzlich für die wunderbare Zusammenarbeit im vergangenen Jahr und das entgegengebrachte Vertrauen. Wir wünschen allen ein friedliches Weihnachtsfest und einen gelungenen Jahreswechsel!

Interesse am Mitmachen?

Wer sich für das Ehrenamt im neuen Jahr begeistern kann, ist herzlich eingeladen, Kontakt mit unseren Koordinatorinnen aufzunehmen. Die nächste Schulung startet im März 2026. Wir freuen uns über jede neue Unterstützung!

Kinderrechte in Bayern endlich verankern – Kinderschutzbund Bayern fordert Aufnahme indie Bayerische Verfassung


Am Internationalen Tag der Kinderrechte am 20. November fordert der Kinderschutzbund Landesverband Bayern, Kinderrechte endlich ausdrücklich in die Bayerische Verfassung aufzunehmen. So würde Bayern zu den Bundesländern aufschließen, die Kinderrechte bereits auf höchster Ebene sichern – darunter Hessen, Baden-Württemberg, Brandenburg, Bremen und Thüringen.
„Wir sprechen viel darüber, Kinder zu schützen und zu stärken – aber damit das in jeder Situation gilt, brauchen Kinderrechte eine klare rechtliche Basis“, sagt Susanna Kaiser, Vorsitzende Landesvorstand des Kinderschutzbundes Bayern. „Kinder haben ein Recht auf Schutz, Förderung und Beteiligung. Diese Rechte dürfen nicht von politischen Mehrheiten oder wechselnden Prioritäten abhängen. Eine Verfassungsverankerung stellt sicher, dass die Stimme von Kindern in Bayern verbindlich gehört wird.“ Warum die Verfassungsverankerung entscheidend ist:
Eine klare Verfassungsnorm führt dazu, dass:

  • das Wohl des Kindes bei staatlichen Entscheidungen vorrangig berücksichtigt wird,
  • Schutz und Förderung verlässlicher organisiert werden,
  • die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in Schule, Jugendhilfe und Kommunen systematisch gestärkt wird, und staatliches Handeln nachhaltig und unabhängig von Regierungswechseln wird.

  • „In unserer täglichen Arbeit sehen wir deutlich, wie groß der Unterschied zwischen einer Empfehlung und einer rechtlichen Verpflichtung ist“, sagt Alexandra Schreiner-Hirsch, pädagogische Leitung des Kinderschutzbundes Bayern. „Ein Verfassungsanker gibt Orientierung und Bestand. Er schützt Kinderrechte auch dann, wenn sich gesellschaftlicheoder politische Rahmenbedingungen verändern.“
    Blick über Bayern hinaus:
    In den Ländern, in denen Kinderrechte bereits verfassungsrechtlich festgeschrieben sind, hat sich gezeigt:
    Die Verankerung stärkt die Verbindlichkeit im staatlichen Handeln – in Bildung, Jugendhilfe, Beteiligungsverfahren und im Kinderschutz. Sie schafft klare Leitplanken und dauerhafte Strukturen, die Kinder und Familien unterstützen.
    Geschäftsstelle
    Forderung an den Bayerischen Landtag:
    Der Kinderschutzbund Bayern fordert die Einleitung eines Verfassungsänderungsverfahrens mit folgenden Kernelementen:
  • Vorrang des Kindeswohls, Recht auf Schutz und Förderung, Recht auf altersgerechte Beteiligung, Recht auf gewaltfreie Erziehung.
    Abschließender Appell:
    „Niemand verliert, wenn Kinderrechte gestärkt werden – aber Kinder verlieren, wenn wir es nicht tun“, so Susanna Kaiser.

Hebammenzentrale wird weiter gefördert

Erlanger Nachrichten, 29.10.2025

Die Hebammenzentrale Erlangen – Erlangen-Höchstadt erhält weiterhin Landesfördermittel, da der Freistaat Bayern das Förderprogramm zur Geburtshilfe bis Ende 2027 verlängert hat.

Somit können Erlangen und der Landkreis Erlangen-Höchstadt gemeinsam einen neuen Förderantrag stellen. OB Florian Janik und Landrat Alexander Tritthart begrüßen die Fortsetzung: „Die Hebammenzentrale ist eine echte Erfolgsgeschichte. Sie sorgt dafür, dass werdende Familien in Stadt und Landkreis verlässlich Unterstützung finden und Hebammen gute Arbeitsbedingungen haben.“

Gegründet 2019 vom Staatlichen Gesundheitsamt für Erlangen und den Landkreis, wird die Einrichtung vom Kinderschutzbund getragen. Sie vermittelt Hebammen an Familien, organisiert einen Bereitschaftsdienst für die Wochenbettbetreuung und unterstützt Fachkräfte. Dies entlastet Henammen, stärkt die Versorgung und garantiert mehr Betreuungssicherheit für Schwangere. Derzeit sind die Kosten zu 90 Prozent vom Freistaat Bayern und zu zehn Prozent von Stadt und Landkreis gedeckt.

Schmuck und Accessoires aus Fahrradschläuchen

Schmuck und Accessoires aus Fahrradschläuchen

In Kooperation mit der Jugendkunstschule Erlangen laden wir anlässlich des Weltkindertags im Rahmen von den „Aktionstagen Ehrenamt“ in den Erlangen Arcaden zu einer besonderen Mitmach-Aktion am Samstag, den 27. September, 14-17 Uhr ein!

Gemeinsam mit einer erfahrenen Künstlerin gestalten wir individuelle Schmuckaccessoires und Anhänger aus alten Fahrradschläuchen. Ob Armband,Kette, Ohrringe oder Schlüsselanhänger: Mit Fantasie und handwerklichem Geschick entstehen aus ungewöhnlichem Material kreative Lieblingsstücke.

Wir freuen uns darauf mit euch etwas Nachhaltiges, Originelles und Einzigartiges zu gestalten – kommt am Samstag im Erdgeschoss der Erlangen Arcaden vorbei!

Die Veranstaltung ist kostenlos und eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

70.000 fehlende Kita-Plätze, Milliarden-Schulstau, steigende Kinderarmut – Kinderschutzbund Bayern schlägt Alarm zum Weltkindertag

Am Samstag, 20. September, ist Weltkindertag. Für den Kinderschutzbund Bayern ein Anlass, auf die dramatische Lage von Kindern und Jugendlichen im Freistaat aufmerksam zu machen. Unter dem Motto der bundesweiten Kampagne „Wen kümmert’s?“ fordert der Landesverband: Kinder brauchen endlich mehr Beachtung in der Politik.

Bayern in der Krise: Zahlen, die aufrütteln

  • 70.100 fehlende Kita-Plätze: Laut Bertelsmann Stiftung fehlen in Bayern über 70.000 Plätze, um den Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung zu erfüllen (Bertelsmann Stiftung, 28.11.2023). Selbst in München gehen die Schätzungen in die Zehntausende (Abendzeitung, 18.12.2023: „So viele Kitaplätze fehlen in München“).
  • Milliarden-Schulstau: Expert:innen sehen in Bayern einen Sanierungsrückstand im zweistelligen Milliardenbereich (BR24, 19.04.2025).
  • Kinderarmut auf dem Vormarsch: In Bayern wachsen 322.000 Kinder und Jugendliche – das sind 14,3 Prozent – in Armut oder an der Armutsgrenze auf (Statistisches Bundesamt, 20.06.2023). In München liegt die Quote zwar niedriger (11,6 Prozent, bundesweit niedrigste Großstadt-Quote), doch auch hier ist jedes neunte Kind betroffen (Sozialpolitik aktuell, 2023).

Hinweis: Für Bayern liegen uns sowohl zu den fehlenden Kitaplätzen als auch zur Kinderarmut bislang keine neueren offiziellen Daten für das Jahr 2024 vor. Die genannten Werte sind die uns aktuell verfügbaren.

Kinderschutzbund fordert Kurswechsel

„Wer heute nicht in Kinder investiert, gefährdet die Zukunft Bayerns. Kinder sind unsere Zukunft – und sie müssen endlich Vorrang haben. Jeder Euro, der in gute Kitas, Schulen und Jugendhilfe fließt, ist eine Investition in sozialen Frieden, Bildungsgerechtigkeit und die Stärke unseres Landes“, betont Susanna Kaiser, Vorsitzende des Kinderschutzbundes Bayern.

Der Kinderschutzbund Bayern ruft deshalb Politik und Gesellschaft auf, zum Weltkindertag am Samstag ein klares Signal zu setzen: Kinder dürfen nicht länger hintenangestellt werden.

Kinderschutz endet nicht am Beckenrand – Der Kinderschutzbund Bayern fordert mehr Wachsamkeit in Freibädern

Die Temperaturen steigen wieder, die Sommerferien laufen – Bayerns Freibäder sind gut besucht. Doch wo viele Kinder planschen, ist auch Verantwortung gefragt. Der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband Bayern (DKSB Bayern) warnt: Kinderschutz im Freibad braucht mehr als Baderegeln – er braucht wache Eltern, präsente Erwachsene und durchdachte Schutzkonzepte.

Aktuelle Fälle aus Bayern zeigen den Handlungsbedarf: In Grafing (Lkr. Ebersberg) mussten in den vergangenen Wochen Eltern mit Kleinkindern vom Badepersonal wiederholt angesprochen oder sogar des Bades verwiesen werden – sie hatten ihre Kinder unbeaufsichtigt im Wasser gelassen. Die Stadt reagierte mit klaren Regeln: Kinder unter sieben Jahren dürfen das Becken nur in Begleitung betreten. In anderen Bädern sorgen Vorfälle von Belästigung und unsicherem Verhalten Jugendlicher für Verunsicherung.

„Der Bademeister ist kein Babysitter,“ sagt Alexandra Schreiner-Hirsch, pädagogische Leitung des DKSB Bayern. „Die Verantwortung für Kinder liegt bei den Eltern – und das gilt natürlich auch im Freibad.“

Verantwortung beginnt beim Hinschauen. Der Kinderschutzbund Bayern appelliert an Eltern, Großeltern und Betreuungspersonen: Bleiben Sie in der Nähe Ihres Kindes. Immer.

Auch wenn Kinder bereits schwimmen können – jedes Kind ist unterschiedlich. Wenn ein Kind sich im Wasser noch unsicher fühlt, braucht es eine vertraute, aufmerksame Begleitung. Eltern kennen ihr Kind am besten – sie müssen auch am besten einschätzen können, ob es allein zurechtkommt.

„Kinderschutz beginnt mit einem wachen Blick – nicht mit Perfektion, sondern mit Präsenz,“ so Schreiner-Hirsch.

Wer ein Kind allein im Wasser sieht, das nicht schwimmen kann, sollte nicht wegsehen. Wer eine grenzüberschreitende Situation beobachtet, sollte eingreifen oder Hilfe holen. Und wer Verantwortung für ein Kind übernimmt, sollte diese auch aktiv wahrnehmen – im Freibad wie überall sonst.

Schutz durch Struktur – nicht nur im Notfall

Neben der elterlichen Verantwortung brauchen Freibäder aus Sicht des DKSB Bayern auch klare Schutzkonzepte. Dazu gehören:

  • geschultes Personal, das Anzeichen von Unsicherheit oder Überforderung erkennt,
  • Verhaltensregeln, die allen Badegästen kommuniziert werden,
  • und niedrigschwellige Wege für Kinder, sich Hilfe zu holen.

Ein Beispiel: Im nordrhein-westfälischen Büren wurde eine Schildkröte namens „Tiki“ als Symbolfigur eingeführt. Kinder können sich bei Unwohlsein mit dem Satz „Ich brauche Tiki“ ans Personal wenden – ein einfaches Codewort mit großer Wirkung. Solche kindgerechten Zugänge sind auch für bayerische Bäder denkbar und wünschenswert.

„Kinder müssen wissen, dass sie Nein sagen dürfen – und dass Hilfe holen kein Petzen ist. Dieses Vertrauen kann man ihnen geben, noch bevor etwas passiert,“ betont Schreiner-Hirsch.

Kinderschutz braucht Haltung – nicht nur Vorschriften

Für den DKSB Bayern steht fest: Kinderschutz ist keine Frage einzelner Maßnahmen, sondern eine gemeinsame Aufgabe. Eltern, Badegäste, Badbetreiber und Kommunen müssen zusammenwirken, damit Kinder sich auch im Trubel eines heißen Sommertages sicher und gesehen fühlen.

„Ein sicherer Freibadbesuch beginnt mit dem Gespräch zuhause – und setzt sich im achtsamen Miteinander fort,“ so Schreiner-Hirsch.

„Wenn alle Beteiligten hinschauen und Haltung zeigen, bleibt das Freibad ein Ort für unbeschwerte Kindheit.“

Zeugnisse ohne Angst: Kinder brauchen Rückhalt, nicht Druck

Kinderschutzbund Bayern ruft Eltern zum Schuljahresende zu mehr Verständnis, Unterstützung und realistischen Erwartungen auf

Die letzten Schultage sind für viele Kinder mit Spannung – und für manche mit Angst verbunden. Besonders zum Zeugniszeitpunkt steigt der Druck. „Wie sag ich’s meinen Eltern?“ – ist eine der häufigsten Sorgen von Schüler:innen mit mittelmäßigen oder schlechten Noten. Der Kinderschutzbund Bayern ruft Eltern daher dazu auf, sich selbst zu fragen: Was zählt mehr – die Note oder mein Kind?

„Ein Zeugnis sagt uns etwas über die Noten des Kindes – aber nicht alles über das Kind“, sagt Alexandra Schreiner-Hirsch, pädagogische Leiterin beim Kinderschutzbund Landesverband Bayern. „Es sagt nichts über den Charakter, über Mitgefühl, Kreativität oder die besonderen Stärken eines Kindes. Deshalb brauchen Kinder an diesem Tag keine Bewertung durch die Eltern, sondern Verständnis, Unterstützung – und den ehrlichen Glauben daran, dass sie wachsen dürfen.“

Schlechte Noten? Realismus statt Reaktion

„Viele Eltern reagieren aus Sorge – und meinen es gut. Aber Druck, Strafen oder Abwertungen bewirken das Gegenteil von dem, was sie wollen“, erklärt Schreiner-Hirsch. Die Forschung bestätigt: Kinder, die sich emotional sicher fühlen, entwickeln langfristig mehr Motivation und Resilienz. Angst hingegen blockiert Lernen – dauerhaft.

Was Eltern konkret tun können:

  • Hinterfragen statt verurteilen: Schlechte Noten haben Gründe. Möglicherweise liegt es an Überforderung, Konzentrationsproblemen oder schlicht daran, dass ein Fach nicht „ihr Ding“ ist. Wer fragt statt urteilt, kommt weiter.
  • Stärken stärken: Statt Defizite zu betonen, lohnt es sich, gemeinsam auf das zu blicken, was gut läuft – ob Sozialverhalten, Sport, Musik oder einfach Ausdauer.
  • Ziele gemeinsam setzen: Was wünschen sich Kinder selbst? Was möchten sie im nächsten Schuljahr anders machen? Das stärkt Eigenverantwortung.

Zeugnisse in anderen Ländern: Weniger Drama, mehr Dialog

In Ländern wie Finnland oder Schweden steht nicht die Note im Vordergrund, sondern die individuelle Entwicklung. Persönliche Lernfortschritte, Rückmeldungen zum Arbeitsverhalten und soziale Kompetenzen zählen ebenso. Auch deutsche Bildungsforscher:innen empfehlen zunehmend, Zeugnisse als Gesprächsanlass statt als Leistungsurteil zu verstehen.

Verständnis macht stark

Der Kinderschutzbund Bayern ruft dazu auf, die Zeugniszeit als Chance für Nähe und Gespräche zu nutzen:

„Wenn Kinder wissen: Meine Eltern stehen zu mir – auch wenn es mal nicht gut läuft, dann sind sie bereit, Verantwortung zu übernehmen und sich weiterzuentwickeln“, so Alexandra Schreiner-Hirsch. „Erwartungen sollten nicht an Noten, sondern an individuelle Entwicklung geknüpft sein.“

Hilfe und Gesprächspartner für Eltern – und Kinder

Für Eltern, die sich Unterstützung wünschen oder unsicher sind im Umgang mit der Zeugniszeit, gibt es das Elterntelefon des Kinderschutzbundes unter der Nummer 0800 – 111 0 550 – anonym, kostenlos und vertraulich.

Auch Kinder und Jugendliche selbst können sich bei Sorgen oder Ängsten rund um Schule, Familie oder Freundeskreis direkt an die Nummer gegen Kummer wenden: 116 111 – anonym, kostenlos, täglich erreichbar.

Beide Angebote bieten ein offenes Ohr – und das Gefühl: Du bist nicht allein.

Ab in die Schule! Kinderschutzbund spendet Schultaschen an Schulanfänger der Gemeinschaftsunterkunft Höchstadt a.d.A.

Ab in die Schule! Kinderschutzbund spendet Schultaschen an Schulanfänger der Gemeinschaftsunterkunft Höchstadt a.d.A.

Die Aufregung war groß in der Gemeinschaftsunterkunft für geflüchtete Menschen in Höchstadt a.d.A.: Bereits zum wiederholten Mal durften sich die Kinder, die im September eingeschult werden und mit ihren Familien von der Flüchtlings- und Integrationsberatung der Diakonie Bamberg-Forchheim begleitet werden, über eine Spende zum Schulstart freuen. Der Kinderschutzbund Erlangen schenkte mit Unterstützung der Sparda-Bank Nürnberg den angehenden ABC-Schützen nicht nur nagelneue Schulranzen, sondern auch Turnbeutel und Mäppchen. Bei der Übergabe der Erstausstattung für die Schule strahlten dann die Kinder um die Wette, erforschten Taschen, Beutel und Mäppchen und bedankten sich herzlich für die Unterstützung.

Foto von Carolin Koch