Schuljahres-Ende: Kinder und Jugendliche müssen mit Sorgen nicht allein bleiben

Ein verlässliches Netz aus Unterstützungsangeboten ist essenziell

Mit der Ausgabe der Jahreszeugnisse endet für Millionen Schüler*innen ein weiteres Schuljahr. Während viele dem Ferienbeginn entgegenfiebern, erleben andere die Zeugniszeit mit Druck, Sorgen oder Ängsten. Zeugnisse und schulische Leistungen können für Kinder und Jugendliche eine große Belastung darstellen – insbesondere dann, wenn hohe Erwartungen, Versagensängste oder Konflikte im familiären Umfeld hinzukommen.

Die Erfahrungen der „Nummer gegen Kummer“ zeigen, dass Leistungsdruck, Prüfungsstress, Mobbing und psychische Belastungen viele junge Menschen nicht nur zum Schuljahresende, sondern das ganze Jahr über beschäftigen. Das Deutsche Schulbarometer[1] bestätigt diesen Trend: Rund ein Viertel der Kinder und Jugendlichen fühlt sich psychisch belastet. Auch die Bundesschülerkonferenz machte mit ihrer Kampagne „Uns geht’s gut?“ auf die schwierige mentale Situation vieler junger Menschen aufmerksam.

Umso wichtiger ist es, dass Kinder und Jugendliche frühzeitig wissen, wo sie Unterstützung finden können. Ein aktuelles Beispiel ist die Kooperation zwischen dem Hessischen Kultusministerium und der „Nummer gegen Kummer“. Seit Mai werden an allen hessischen Schulen Plakate und Sticker verteilt, die auf die Beratungsangebote aufmerksam machen. Ziel ist es, Hemmschwellen abzubauen und den Zugang zu Hilfe niedrigschwellig zu gestalten.

„Kinder und Jugendliche brauchen ein verlässliches Netz aus Unterstützungsangeboten. Dazu gehören Ansprechpersonen in der Schule ebenso wie unabhängige und anonyme Beratungsangebote außerhalb des unmittelbaren Umfelds“, so Gisela Wetzel-Willert, Vorstandsvorsitzende des Dachverbandes Nummer gegen Kummer e.V.

Auch bundesweit unterstützt die „Nummer gegen Kummer“ Schulen dabei, Hilfsangebote sichtbar zu machen und Gespräche über Sorgen und Belastungen zu fördern. Die kostenfreie SCHULBOX bietet Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften Materialien, um den Umgang mit Problemen, Krisen und Unterstützungsangeboten im Schulalltag zu thematisieren. Die SCHULBOX wurde in Kooperation mit dem Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend entwickelt.

Mit dem Kinder- und Jugendtelefon, der Online-Beratung und dem Projekt „Jugendliche beraten Jugendliche“ erhalten junge Menschen kostenfrei, anonym und vertraulich Unterstützung – gerade dann, wenn Zeugnisse, Schule oder andere Herausforderungen zur Belastung werden.


[1] Robert Bosch Stiftung (2026). Deutsches Schulbarometer: Befragung Schüler:innen 2025. Ergebnisse von 8- bis 17-Jährigen und ihren Erziehungsberechtigten zu Wohlbefinden, Unterrichtsqualität, Partizipationsmöglichkeiten und (Cyber-)Mobbing. Stuttgart: Robert Bosch Stiftung.

Ein herzliches Dankeschön an unsere Familienpat*innen im Landkreis ERH

Ein herzliches Dankeschön an unsere Familienpat*innen im Landkreis ERH

Bei strahlendem Sommersonnenschein und bei heißen Temperaturen kam in der Fischküche Reck in Oberdorf eine besondere Gruppe im Landkreis Erlangen-Höchstadt zusammen: die ehrenamtlichen Familienpat*innen des Kinderschutzbundes Erlangen. Anlass war das jährliche Dankesessen, das in diesem Jahr wieder ein herzliches Zeichen der Wertschätzung für das unermüdliche Engagement der Pat*innen setzten sollte.

Die Familienpat*innen, die das ganze Jahr über Familien im Landkreis mit ihrer Zeit, ihrem Wissen und ihrer Fürsorge unterstützen, wurden für ihren Einsatz gewürdigt. Ob bei der Begleitung in schwierigen Lebenslagen, der Organisation von Freizeitaktivitäten oder einfach als verlässliche Ansprechperson – ihr ehrenamtliches Engagement ist ein unverzichtbarer Baustein für das Wohl der Kinder und Familien in der Region. Deswegen freuen wir uns auch sehr, drei neue Pat*innen aus der Schulung im Frühjahr zu begrüßen und im Rahmen dieses Essens herzlich willkommen zu heißen.

Auch Frau Klaußner, stellvertretende Landrätin des Landkreises Erlangen-Höchstadt, nahm sich Zeit, um persönlich ihren Dank auszusprechen. Vertreter*innen des Kinderschutzbundes Erlangen und des Landratsamts waren vor Ort, um die Bedeutung der Familienpatenschaften für die Gesellschaft zu unterstreichen. In ihren Ansprachen betonten sie, wie sehr das ehrenamtliche Engagement der Pat*innen den Zusammenhalt im Landkreis stärkt und Familien in herausfordernden Situationen Halt gibt.

Trotz der sommerlichen Hitze ließ es sich die Runde bei kühlen Getränken und leckeren Essen gut gehen und genoss einen Abend voller netter Gespräche und interessantem Austausch.

Ein Aufruf zum Mitmachen

Der Kinderschutzbund Erlangen-Höchstadt sucht ständig neue Familienpat*innen: wer Interesse hat, Familien in der Region zu unterstützen, findet im Kinderschutzbund eine starke Gemeinschaft und professionelle Begleitung.

Patenessen und -ehrung der Familienpatenschaften Erlangen

Patenessen und -ehrung der Familienpatenschaften Erlangen

Einmal im Jahr kommen die Familienpatenschaften Erlangen zu einem besonderen Abend zusammen: dem gemeinsamen Patenessen. In diesem Jahr wurde bei leckerem Essen in einem indischen Restaurant gefeiert, gesprochen und viel gelacht. Die Veranstaltung bot Raum für Begegnung, Austausch und ein herzliches Miteinander.

Mit wertschätzenden und zukunftsweisenden Worten dankten der Oberbürgermeister Jörg Volleth, die Geschäftsführung des Erlanger Bündnis für Familien Monika Michali sowie die Geschäftsführung vom Kinderschutzbund Erlangen Esther Detzel den ehrenamtlichen Pat*innen für ihr großes Engagement. Sie betonten die hohe gesellschaftliche Bedeutung des Ehrenamts, das Familien unterstützt, Orientierung gibt und Gemeinschaft stärkt. Gleichzeitig wurde deutlich, dass diese wichtige Aufgabe auch Herausforderungen mit sich bringt und daher eine fachliche und pädagogische Begleitung ein unverzichtbarer Bestandteil der Patenschaften ist.

Besonders erfreulich war die Begrüßung der neu geschulten Ehrenamtlichen. Sie wurden mit einer Blume und ihrem Zertifikat herzlich in die Gemeinschaft aufgenommen. Darüber hinaus konnten einige Pat*innen für ihr zehnjähriges Engagement geehrt werden – ein beeindruckendes Zeichen von Verlässlichkeit, Ausdauer und Herzblut.

Die Familienpatenschaften Erlangen bedanken sich bei allen Beteiligten für ihr Engagement und die schönen gemeinsamen Stunden. Vielen Dank für diesen gelungenen Abend!

„Kinder nicht aussperren, sondern schützen: Warum ein Social-Media-Verbot zu kurz greift“

Kinderschutzbund Bayern fordert wirksame Lösungen statt Symbolpolitik – drei zentrale Hebel für echten Schutz im Netz

Die Debatte um ein mögliches Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige greift aus Sicht des Kinderschutzbundes Bayern zu kurz. Der Verband warnt davor, komplexe Herausforderungen mit einfachen Antworten lösen zu wollen – und plädiert stattdessen für einen realistischen, wirksamen Kinderschutz im digitalen Raum.

„Wir sehen die Risiken sozialer Medien sehr klar – und wir nehmen sie ernst“, sagt Daniela Riedel, Projektleiterin Medientraining beim Kinderschutzbund Bayern und Mitglied im Bundesfachausschuss „Digitales Leben“ des Kinderschutzbund Bundesverbandes. „Aber ein pauschales Verbot ist keine Lösung. Es adressiert nicht die eigentlichen Probleme.“

Realität statt Verbotsdebatte

Schon heute zeigt sich: Altersgrenzen im Netz werden massenhaft umgangen. Kinder und Jugendliche bewegen sich längst selbstverständlich in digitalen Räumen – unabhängig von formalen Zugangsbeschränkungen.  

Ein Verbot würde diese Realität nicht verändern, sondern verlagern.
„Im schlimmsten Fall weichen Kinder auf weniger regulierte Plattformen aus, in denen Schutzmechanismen noch schwächer sind“, so Riedel.

Drei Hebel für wirksamen Kinderschutz

Der Kinderschutzbund Bayern fordert daher einen Perspektivwechsel:
Weg von der Frage „Verbot – ja oder nein?“ – hin zu der Frage: Was schützt Kinder tatsächlich?

Aus Sicht des Verbandes sind dafür drei zentrale Hebel entscheidend:

1. Plattformen in die Verantwortung nehmen
Digitale Anbieter müssen Kinder besser schützen. Mit dem Digital Services Act existieren bereits klare Vorgaben – etwa zur Reduktion suchtfördernder Mechanismen oder zum Schutz vor unerwünschten Kontakten. Entscheidend ist, dass diese Regeln konsequent umgesetzt werden.

2. Eltern und pädagogische Begleitung stärken
Kinder brauchen Orientierung im Umgang mit digitalen Medien. Eltern und Fachkräfte spielen eine Schlüsselrolle dabei, Mediennutzung zu begleiten, Regeln zu setzen und Vertrauen aufzubauen.

3. Medienbildung und sichere Räume ausbauen
Digitale Kompetenz ist heute unverzichtbar. Kinder müssen lernen, Risiken zu erkennen, Inhalte einzuordnen und sich selbstbestimmt im Netz zu bewegen. Dafür braucht es verbindliche Bildungsangebote und altersgerechte digitale Umgebungen.

Kinderrechte als Maßstab

Grundlage dieser Position ist ein umfassendes Verständnis von Kinderschutz.
Kinder haben nicht nur ein Recht auf Schutz, sondern auch auf Förderung und Teilhabe – auch im digitalen Raum.  

„Wenn wir Kinder pauschal ausschließen, verhindern wir, dass sie genau die Kompetenzen entwickeln, die sie in einer digitalen Welt brauchen“, erklärt Riedel.

Gerade für viele Jugendliche seien soziale Medien zudem wichtige Räume für Austausch, Identitätsfindung und gesellschaftliche Teilhabe.

Komplexe Probleme brauchen differenzierte Lösungen

Der Kinderschutzbund Bayern plädiert daher für eine sachliche und lösungsorientierte Debatte.

„Kinderschutz ist kein Schwarz-Weiß-Thema“, so Riedel. „Wir dürfen Kinder nicht aus der digitalen Welt aussperren – wir müssen sie sicher machen.“

Fazit

Ein pauschales Social-Media-Verbot greift zu kurz.
Wirksamer Kinderschutz entsteht durch das Zusammenspiel von Regulierung, Begleitung und Bildung – nicht durch symbolpolitische Maßnahmen.

Familienpatenschaften sammeln Müll am Ohmplatz

Familienpatenschaften sammeln Müll am Ohmplatz

Mai 2026- Die Familienpatenschaften Erlangen und Erlangen-Höchstadt veranstalteten eine gemeinsame Müllsammelaktion rund um den Ohmplatz. Gemeinsam starteten wir am Büro des Kinderschutzbunds und sammelten fleißig im Park sowie rund um zwei Spielplätze Müll.

Trotz des insgesamt sauberen Erscheinungsbildes kamen mehrere Tüten Müll zusammen. Besonders viele Zigarettenkippen, aber auch Metall- und technischer Müll wurden gefunden und fachgerecht entsorgt.

Zum Ausklang der gelungenen Aktion gab es ein gemeinsames Picknick am Spielplatz in der Komotauer Straße. Die Kinder erhielten für die Teilnahme kleine Müllpinzetten zum weiteren Sammeln und waren begeistert davon, sich aktiv für die Natur einzusetzen.

Unser Fazit: Jedes Engagement lohnt sich!

Vielen Dank an alle fleißigen teilnehmenden Kinder, Eltern und Pat*innen!

Wir freuen uns, dass wir in Anlehnung an diese Aktion bald einen neuen Leihkoffer zum Thema „Natur- und Umweltschutz“ im Kinderschutzbund zum kostenlosen Ausleihen für alle Familien und Ehrenamtliche in Stadt und Landkreis bereitstellen können.

Wir feiern Eltern – 25 Jahre ELTERNTALK

Wir feiern Eltern – 25 Jahre ELTERNTALK

„Bei uns gibt es gerade Streit ums Handy“, sagt eine Mutter in die Runde. Die anderen hören zu, nicken, fragen nach – und erzählen, wie es bei ihnen ist. Aus einer Erfahrung werden viele Perspektiven. Genau so beginnen ELTERNTALK-Runden: Eltern bringen ein, was sie beschäftigt, und entwickeln im Gespräch miteinander neue Ideen – offen und respektvoll.
Seit 25 Jahren schafft ELTERNTALK Räume, in denen Eltern miteinander ins Gespräch kommen. Eltern treffen sich in kleinen Gruppen – zuhause, im Familienzentrum oder online – und sprechen über Themen, die sie bewegen: Mediennutzung, Erziehung, Grenzen oder den Alltag
mit Kindern. Sie tauschen sich aus, ohne Druck, ohne Bewertung – dafür mit viel Erfahrung aus dem echten Familienalltag.
Das Besondere: Bei ELTERNTALK sind Eltern die Expertinnen und Experten für ihr eigenes Leben. Sie hören zu, tauschen Ideen aus und entdecken neue Perspektiven. Oft entsteht dabei etwas, das im Familienalltag selten ist – Zeit zum Reden und das Gefühl, verstanden zu werden. Viele
Eltern berichten nach einem Talk, dass sie gestärkt nach Hause gehen. Mit neuen Gedanken, mehr Gelassenheit und einfach dem Wissen, dass auch andere vor ähnlichen Herausforderungen stehen.
„Wir feiern mit diesem Jubiläum vor allem die Eltern“, sagt Natasa Eckert, Leitung ELTERNTALK. „Sie leisten jeden Tag unglaublich viel – und bei ELTERNTALK erleben sie, wie wertvoll ihre Erfahrungen und der Austausch darüber sind“. In den vergangenen 25 Jahren haben mehr als
225.000 Eltern an ELTERNTALK-Gesprächsrunden teilgenommen. Engagierte Moderatorinnen und Moderatoren, die selbst Mütter und Väter sind, organisieren und führen die Treffen durch. Sie sind das „Herzstück“ von ELTERNTALK – seit 25 Jahren!
Neugierig geworden? Dann melden Sie sich bei der für den Kinderschutzbund Erlangen zuständigen Ansprechpartnerin Frau Gabi Heller (elterntalk@kinderschutzbund-erlangen.de) oder unter www.elterntalk.net
ELTERNTALK ist ein Angebot der Aktion Jugendschutz, Landesarbeitsstelle Bayern e.V. und wird
aus den Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales sowie des
Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit, Pflege und Prävention gefördert.

„Gewaltfreie Erziehung ist kein Ideal, sondern Pflicht“

Am 30. April ist der Tag der gewaltfreien Erziehung. Für den Kinderschutzbund Bayern ist klar: Gewalt gegen Kinder ist nicht nur körperlich – sie beginnt oft viel früher, im Alltag von Familien, Kitas und Schulen. Ein zentrales Stichwort dabei ist Adultismus – also die strukturelle Benachteiligung von Kindern aufgrund ihres Alters.

Im Kurzinterview erklärt Alexandra Schreiner-Hirsch, pädagogische Leiterin beim Kinderschutzbund Landesverband Bayern, warum gerade diese Form von Gewalt häufig übersehen wird, was das mit Kinderrechten zu tun hat – und warum das Thema auch politisch stärker in den Fokus gehört.

Frau Schreiner-Hirsch, wenn wir über Gewalt in der Erziehung sprechen, denken viele zuerst an körperliche Übergriffe. Sie sagen: Gewalt beginnt viel früher. Was meinen Sie damit?

Alexandra Schreiner-Hirsch: Gewalt beginnt oft viel früher – nämlich dort, wo Kinder systematisch übergangen, nicht ernst genommen oder klein gemacht werden. Ein genervtes „Jetzt sei endlich ruhig“, ein wütendes „Wie alt bist du eigentlich?“ oder Entscheidungen, die konsequent über die Köpfe von Kindern hinweg getroffen werden im Sinne von „Das geht Dich nichts an“ – das sind alltägliche Situationen, die wir häufig gar nicht als problematisch wahrnehmen. Für Kinder sind sie aber prägend. Sie erleben: Meine Stimme zählt nicht. Ich bin unwichtig, wertlos und entbehrlich. Und genau das ist eine Form von seelischer Gewalt.

Sie sprechen in diesem Zusammenhang von Adultismus. Warum ist dieses Konzept nach wie vor so relevant?

Alexandra Schreiner-Hirsch: Adultismus beschreibt ein tief verankertes Machtgefälle zwischen Erwachsenen und Kindern. Und dieses Machtgefälle wird im Alltag ständig reproduziert – oft unbewusst. Gerade in Zeiten, in denen in Bayern wieder intensiv über Erziehung, Leistungsdruck oder auch Verbote diskutiert wird, müssen wir genauer hinschauen: Geht es wirklich um das Wohl der Kinder – oder darum, dass Erwachsene Kontrolle behalten und „gewinnen“ wollen?

Adultismus macht sichtbar, dass Kinderrechte nicht nur ein politisches Thema sind, sondern jeden Tag im Kleinen entschieden werden.

Können Sie konkrete Beispiele nennen, wie sich das im Familienalltag zeigt?

Alexandra Schreiner-Hirsch: Ja, viele Beispiele sind ganz banal:

Wenn Kinder nie ausreden dürfen.

Wenn ihre Gefühle heruntergespielt werden – „Ist doch nicht so schlimm“.

Wenn immer über ihren Kopf hinweg entschieden wird – etwa bei Freizeit, Kleidung oder Freundschaften. „Die Hose nehmen wir“!

Oder auch: Wenn Kinder regelmässig für Bedürfnisse bestraft werden, die völlig altersgerecht sind – etwa für Lautstärke, Bewegungsdrang oder Emotionen.

Das Problem ist nicht, dass Eltern Grenzen setzen – das müssen sie. Das Problem ist, wie wir das tun. Ob wir Kinder dabei respektieren und wertschätzen oder beschämen und ihnen seelische Narben zufügen.

Welche Folgen hat dieses Verhalten für Kinder?

Alexandra Schreiner-Hirsch: Kinder entwickeln ihr Selbstbild aus dem, was sie täglich erleben. Wenn sie ihre Kindheit über stets erfahren, dass ihre Perspektive nicht interessiert, unwichtig oder falsch ist, verinnerlichen sie genau das. Sie werden unsicher, ziehen sich zurück, passen sich übermäßig an oder werden wütend und aggressiv.

Gleichzeitig lernen sie: „Der Stärkere gewinnt“, „Beschämen ist erlaubt“. Das ist eine gefährliche Botschaft – auch für unsere Gesellschaft. Gewaltfreie Erziehung bedeutet deshalb immer auch, Macht kritisch zu reflektieren.

Was hat das mit Kinderrechten zu tun – und wo sehen Sie hier Handlungsbedarf in Bayern?

Alexandra Schreiner-Hirsch: Kinder haben ein Recht auf Schutz, Förderung und Beteiligung sowie auf gewaltfreie Erziehung (§ 1631 BGB). Das ist kein „Nice-to-have“, sondern völkerrechtlich verbindlich und gesetzlich geregelt. Trotzdem erleben wir im Alltag oft das Gegenteil.

Gerade in Bayern sehen wir, dass Kinderperspektiven in politischen Debatten häufig zu kurz kommen – ebenso wie in der Bildungspolitik, bei Fragen der Mediennutzung oder im Familienalltag.

Deshalb fordern wir: Kinderrechte müssen konsequent mitgedacht und wirklich gelebt werden – in Gesetzen, in Institutionen und im täglichen Umgang. Und sie müssen endlich auch auf Landesebene stärker verankert werden.

Was können Eltern konkret tun, um gewaltfreier und auf Augenhöhe zu erziehen?

Alexandra Schreiner-Hirsch: Es geht nicht um Perfektion, sondern um Haltung. Vier Dinge sind zentral:

  • Zuhören statt übergehen: Kinder ernst nehmen – auch wenn es im Alltag schnell gehen muss.
  • Erklären statt bestimmen: Entscheidungen nachvollziehbar machen.
  • Reflektieren statt reagieren: Sich fragen „Was will ich, dass mein Kind jetzt lernt?“
  • Unterstützung suchen statt allein durchwurschteln: Sprechen Sie mit anderen Eltern über Ihre Erfahrungen. Auch Angebote wie Elternkurse (z.B. Starke Eltern – Starke Kinder® vom Kinderschutzbund) oder kostenlose Erziehungsberatungsstellen können helfen, einen gewaltfreien Erziehungsstil zu finden. Sie sind nicht allein – Adultismus abzulegen ist ein Lernprozess für uns alle.

Und ganz wichtig: Auch Eltern dürfen Fehler machen. Entscheidend ist, dass wir bereit sind, unser Verhalten zu hinterfragen.

Ihr Fazit zum Tag der gewaltfreien Erziehung?

Alexandra Schreiner-Hirsch: Gewaltfreie Erziehung ist kein Ideal, sondern verpflichtend für uns alle. Siehe §1631 Abs 2. – da steht: „Das Kind hat ein Recht auf Pflege und Erziehung unter Ausschluss von Gewalt, körperlichen Bestrafungen, seelischen Verletzungen und anderen entwürdigenden Maßnahmen.“

Wenn wir wollen, dass Kinder wertschätzend, respektvoll und demokratisch handeln, müssen wir ihnen genau das auch vorleben, denn Respekt und Wertschätzung sind keine Einbahnstraße.

Das beginnt nicht in großen politischen Debatten, sondern jeden Tag – im Kinderzimmer, im Klassenzimmer und in der Kita.

Jahresrückblick 2025 – jetzt lesen!

Das Jahr 2025 liegt hinter uns – ein Jahr voller Herausforderungen, Begegnungen und wertvoller gemeinsamer Arbeit für das Wohl von jungen Menschen und Familien in Erlangen und Erlangen-Höchstadt. Als Kinderschutzbund Erlangen blicken wir dankbar auf viele engagierte Projekte, unterstützende Kooperationen und das große Vertrauen zurück, das uns entgegengebracht wurde.

Unser Einsatz galt auch in diesem Jahr dem Schutz, der Förderung und der Stärkung junger Menschen sowie der Unterstützung von Eltern in schwierigen Lebenssituationen. Viele kleine und große Schritte haben dazu beigetragen, Kinderrechte sichtbar zu machen und konkrete Hilfe dort zu leisten, wo sie gebraucht wird.

In unserem Jahresrückblick 2025 möchten wir Ihnen einen Einblick in unsere Arbeit geben, wichtige Entwicklungen aufzeigen und besondere Momente mit Ihnen teilen. Schauen Sie gerne mal rein!

Ehrenbrief der Stadt Erlangen für Ute Auschel

Ehrenbrief der Stadt Erlangen für Ute Auschel

Die Stadt Erlangen hat Ute Auschel mit dem Ehrenbrief für ihre besonderen Verdienste auf dem Gebiet Soziales ausgezeichnet. Oberbürgermeister Florian Janik würdigte im Rahmen der Verleihung ihr langjähriges und außergewöhnliches Engagement für Kinder, Familien und die Stadtgesellschaft.

Seit 2007 engagiert sich Auschel ehrenamtlich beim Kinderschutzbund Erlangen. Mit ihrer beruflichen Expertise als Betriebswirtin trug sie maßgeblich zur professionellen Verwaltung von Notfall- und Bildungsfonds bei und baute wichtige Kontakte zur Stadt Erlangen sowie zum Landkreis Erlangen-Höchstadt auf. Bereits seit März 2008 war Auschel Mitglied des Vorstands, 2014 wurde sie zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Ab Frühjahr 2020 übernahm sie im Team die kommissarische Leitung des Kinderschutzbundes Erlangen. In dieser Funktion verantwortete sie unter anderem die Arbeit von sieben hauptamtlichen Mitarbeiterinnen sowie mehr als 100 Ehrenamtlichen. Über 850 Stunden ehrenamtlicher Arbeit pro Jahr leistete sie für den Kinderschutzbund.

Von März 2022 bis Ende 2025 stand Auschel dem Verein als Erste Vorsitzende vor. In dieser Zeit prägte sie zahlreiche Projekte entscheidend mit. Dazu zählen unter anderem der Ausbau des Integrationsprojekts „Elterntalk“ sowie die Mitwirkung bei der Gründung der Hebammenzentrale im Jahr 2019. Darüber hinaus engagierte sie sich intensiv in den Bereichen Familienpatenschaften, Kinder- und Jugendtelefon, Elterntelefon, begleiteter Umgang sowie in Beratungs- und Vortragsangeboten.

Neben ihrem Engagement beim Kinderschutzbund ist Auschel seit 2012 Mitglied im Kirchenvorstand der evangelisch-lutherischen Altstadtgemeinde Erlangen. Dort wirkte sie federführend an der Planung und Realisierung des Gemeindehauses B11 mit. Für ihr herausragendes Wirken wurde sie bereits im November 2024 mit dem Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten ausgezeichnet.

Jahresstatistik 2025 von „Nummer gegen Kummer“

  • Beratungsbedarf steigt: Über 124.500 Beratungen
  • Psychische Probleme häufigster Beratungsanlass junger Menschen

Der Beratungsbedarf an den Angeboten von „Nummer gegen Kummer“ ist weiterhin hoch. Im vergangenen Jahr führten die Berater*innen insgesamt 124.619 Beratungen mit Kindern, Jugendlichen und Eltern in schwierigen Lebenssituationen. Die Zahlen machen deutlich:

Niedrigschwellige, anonyme, persönliche Beratung – telefonisch und online – wird weiterhin intensiv genutzt.

Besonders deutlich zeigt sich die steigende Nachfrage in der Online-Beratung, die im Vergleich zum Vorjahr um 38 Prozent zulegte. Auch am Kinder- und Jugendtelefon sowie am Elterntelefon nahmen die Beratungen jeweils im Vergleich zum Vorjahr zu.

„Die Zahlen zeigen, wie wichtig es ist, dass wir jungen Menschen aber auch Eltern und anderen Erziehenden weiterhin ein persönliches Beratungsangebot ermöglichen“, erklärt Gisela Wetzel-Willert, Vorstandsvorsitzende des Dachverbands „Nummer gegen Kummer“. „Wer sich an uns wendet, trifft auf qualifizierte Berater*innen, die zuhören, ernst nehmen und unterstützen. Für viele ist genau diese Erfahrung der entscheidende Schritt, um den Mut zu finden erstmals über ihre Sorgen zu sprechen.“

Junge Ratsuchende berichten vermehrt von psychischen Problemen

Die aktuellen Themen der jungen Ratsuchenden machen deutlich, welche Herausforderungen sie beschäftigen. Psychische Probleme waren sowohl am Kinder- und Jugendtelefon als auch in der Online-Beratung im vergangenen Jahr das häufigste Thema. Daneben spielten familiäre Konflikte, Krankheit, Einsamkeit und auch Mobbing eine große Rolle. In der Online-Beratung wurden zudem häufiger selbstverletzendes Verhalten und Suizidalität thematisiert.

Eltern und andere Erziehende wandten sich insbesondere mit Fragen rund um Überforderung im Erziehungsalltag, Konflikte innerhalb der Familie oder Probleme in der Partnerschaft an die Berater*innen des Elterntelefons. Wie entlastend ein offenes Gespräch sein kann, zeigen auch Rückmeldungen von Ratsuchenden:

„Es tat wahnsinnig gut, mit jemandem zu reden, der mir einfach zugehört hat. Auch wenn ich gerade erst am Anfang bin und noch lang nicht alles in Ordnung ist, bin ich einen großen Schritt weitergekommen.“

Das Netzwerk „Nummer gegen Kummer“ bietet Kindern, Jugendlichen und Eltern bundesweit kostenlose und anonyme Beratung am Telefon sowie Online. Geschulte ehrenamtliche Berater*innen unterstützen Ratsuchende dabei, ihre Situation zu sortieren, neue Perspektiven zu entwickeln und eigene Ressourcen zu stärken.