„Kinder nicht aussperren, sondern schützen: Warum ein Social-Media-Verbot zu kurz greift“

Kinderschutzbund Bayern fordert wirksame Lösungen statt Symbolpolitik – drei zentrale Hebel für echten Schutz im Netz

Die Debatte um ein mögliches Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige greift aus Sicht des Kinderschutzbundes Bayern zu kurz. Der Verband warnt davor, komplexe Herausforderungen mit einfachen Antworten lösen zu wollen – und plädiert stattdessen für einen realistischen, wirksamen Kinderschutz im digitalen Raum.

„Wir sehen die Risiken sozialer Medien sehr klar – und wir nehmen sie ernst“, sagt Daniela Riedel, Projektleiterin Medientraining beim Kinderschutzbund Bayern und Mitglied im Bundesfachausschuss „Digitales Leben“ des Kinderschutzbund Bundesverbandes. „Aber ein pauschales Verbot ist keine Lösung. Es adressiert nicht die eigentlichen Probleme.“

Realität statt Verbotsdebatte

Schon heute zeigt sich: Altersgrenzen im Netz werden massenhaft umgangen. Kinder und Jugendliche bewegen sich längst selbstverständlich in digitalen Räumen – unabhängig von formalen Zugangsbeschränkungen.  

Ein Verbot würde diese Realität nicht verändern, sondern verlagern.
„Im schlimmsten Fall weichen Kinder auf weniger regulierte Plattformen aus, in denen Schutzmechanismen noch schwächer sind“, so Riedel.

Drei Hebel für wirksamen Kinderschutz

Der Kinderschutzbund Bayern fordert daher einen Perspektivwechsel:
Weg von der Frage „Verbot – ja oder nein?“ – hin zu der Frage: Was schützt Kinder tatsächlich?

Aus Sicht des Verbandes sind dafür drei zentrale Hebel entscheidend:

1. Plattformen in die Verantwortung nehmen
Digitale Anbieter müssen Kinder besser schützen. Mit dem Digital Services Act existieren bereits klare Vorgaben – etwa zur Reduktion suchtfördernder Mechanismen oder zum Schutz vor unerwünschten Kontakten. Entscheidend ist, dass diese Regeln konsequent umgesetzt werden.

2. Eltern und pädagogische Begleitung stärken
Kinder brauchen Orientierung im Umgang mit digitalen Medien. Eltern und Fachkräfte spielen eine Schlüsselrolle dabei, Mediennutzung zu begleiten, Regeln zu setzen und Vertrauen aufzubauen.

3. Medienbildung und sichere Räume ausbauen
Digitale Kompetenz ist heute unverzichtbar. Kinder müssen lernen, Risiken zu erkennen, Inhalte einzuordnen und sich selbstbestimmt im Netz zu bewegen. Dafür braucht es verbindliche Bildungsangebote und altersgerechte digitale Umgebungen.

Kinderrechte als Maßstab

Grundlage dieser Position ist ein umfassendes Verständnis von Kinderschutz.
Kinder haben nicht nur ein Recht auf Schutz, sondern auch auf Förderung und Teilhabe – auch im digitalen Raum.  

„Wenn wir Kinder pauschal ausschließen, verhindern wir, dass sie genau die Kompetenzen entwickeln, die sie in einer digitalen Welt brauchen“, erklärt Riedel.

Gerade für viele Jugendliche seien soziale Medien zudem wichtige Räume für Austausch, Identitätsfindung und gesellschaftliche Teilhabe.

Komplexe Probleme brauchen differenzierte Lösungen

Der Kinderschutzbund Bayern plädiert daher für eine sachliche und lösungsorientierte Debatte.

„Kinderschutz ist kein Schwarz-Weiß-Thema“, so Riedel. „Wir dürfen Kinder nicht aus der digitalen Welt aussperren – wir müssen sie sicher machen.“

Fazit

Ein pauschales Social-Media-Verbot greift zu kurz.
Wirksamer Kinderschutz entsteht durch das Zusammenspiel von Regulierung, Begleitung und Bildung – nicht durch symbolpolitische Maßnahmen.

Familienpatenschaften sammeln Müll am Ohmplatz

Familienpatenschaften sammeln Müll am Ohmplatz

Mai 2026- Die Familienpatenschaften Erlangen und Erlangen-Höchstadt veranstalteten eine gemeinsame Müllsammelaktion rund um den Ohmplatz. Gemeinsam starteten wir am Büro des Kinderschutzbunds und sammelten fleißig im Park sowie rund um zwei Spielplätze Müll.

Trotz des insgesamt sauberen Erscheinungsbildes kamen mehrere Tüten Müll zusammen. Besonders viele Zigarettenkippen, aber auch Metall- und technischer Müll wurden gefunden und fachgerecht entsorgt.

Zum Ausklang der gelungenen Aktion gab es ein gemeinsames Picknick am Spielplatz in der Komotauer Straße. Die Kinder erhielten für die Teilnahme kleine Müllpinzetten zum weiteren Sammeln und waren begeistert davon, sich aktiv für die Natur einzusetzen.

Unser Fazit: Jedes Engagement lohnt sich!

Vielen Dank an alle fleißigen teilnehmenden Kinder, Eltern und Pat*innen!

Wir freuen uns, dass wir in Anlehnung an diese Aktion bald einen neuen Leihkoffer zum Thema „Natur- und Umweltschutz“ im Kinderschutzbund zum kostenlosen Ausleihen für alle Familien und Ehrenamtliche in Stadt und Landkreis bereitstellen können.

Wir feiern Eltern – 25 Jahre ELTERNTALK

Wir feiern Eltern – 25 Jahre ELTERNTALK

„Bei uns gibt es gerade Streit ums Handy“, sagt eine Mutter in die Runde. Die anderen hören zu, nicken, fragen nach – und erzählen, wie es bei ihnen ist. Aus einer Erfahrung werden viele Perspektiven. Genau so beginnen ELTERNTALK-Runden: Eltern bringen ein, was sie beschäftigt, und entwickeln im Gespräch miteinander neue Ideen – offen und respektvoll.
Seit 25 Jahren schafft ELTERNTALK Räume, in denen Eltern miteinander ins Gespräch kommen. Eltern treffen sich in kleinen Gruppen – zuhause, im Familienzentrum oder online – und sprechen über Themen, die sie bewegen: Mediennutzung, Erziehung, Grenzen oder den Alltag
mit Kindern. Sie tauschen sich aus, ohne Druck, ohne Bewertung – dafür mit viel Erfahrung aus dem echten Familienalltag.
Das Besondere: Bei ELTERNTALK sind Eltern die Expertinnen und Experten für ihr eigenes Leben. Sie hören zu, tauschen Ideen aus und entdecken neue Perspektiven. Oft entsteht dabei etwas, das im Familienalltag selten ist – Zeit zum Reden und das Gefühl, verstanden zu werden. Viele
Eltern berichten nach einem Talk, dass sie gestärkt nach Hause gehen. Mit neuen Gedanken, mehr Gelassenheit und einfach dem Wissen, dass auch andere vor ähnlichen Herausforderungen stehen.
„Wir feiern mit diesem Jubiläum vor allem die Eltern“, sagt Natasa Eckert, Leitung ELTERNTALK. „Sie leisten jeden Tag unglaublich viel – und bei ELTERNTALK erleben sie, wie wertvoll ihre Erfahrungen und der Austausch darüber sind“. In den vergangenen 25 Jahren haben mehr als
225.000 Eltern an ELTERNTALK-Gesprächsrunden teilgenommen. Engagierte Moderatorinnen und Moderatoren, die selbst Mütter und Väter sind, organisieren und führen die Treffen durch. Sie sind das „Herzstück“ von ELTERNTALK – seit 25 Jahren!
Neugierig geworden? Dann melden Sie sich bei der für den Kinderschutzbund Erlangen zuständigen Ansprechpartnerin Frau Gabi Heller (elterntalk@kinderschutzbund-erlangen.de) oder unter www.elterntalk.net
ELTERNTALK ist ein Angebot der Aktion Jugendschutz, Landesarbeitsstelle Bayern e.V. und wird
aus den Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales sowie des
Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit, Pflege und Prävention gefördert.

„Gewaltfreie Erziehung ist kein Ideal, sondern Pflicht“

Am 30. April ist der Tag der gewaltfreien Erziehung. Für den Kinderschutzbund Bayern ist klar: Gewalt gegen Kinder ist nicht nur körperlich – sie beginnt oft viel früher, im Alltag von Familien, Kitas und Schulen. Ein zentrales Stichwort dabei ist Adultismus – also die strukturelle Benachteiligung von Kindern aufgrund ihres Alters.

Im Kurzinterview erklärt Alexandra Schreiner-Hirsch, pädagogische Leiterin beim Kinderschutzbund Landesverband Bayern, warum gerade diese Form von Gewalt häufig übersehen wird, was das mit Kinderrechten zu tun hat – und warum das Thema auch politisch stärker in den Fokus gehört.

Frau Schreiner-Hirsch, wenn wir über Gewalt in der Erziehung sprechen, denken viele zuerst an körperliche Übergriffe. Sie sagen: Gewalt beginnt viel früher. Was meinen Sie damit?

Alexandra Schreiner-Hirsch: Gewalt beginnt oft viel früher – nämlich dort, wo Kinder systematisch übergangen, nicht ernst genommen oder klein gemacht werden. Ein genervtes „Jetzt sei endlich ruhig“, ein wütendes „Wie alt bist du eigentlich?“ oder Entscheidungen, die konsequent über die Köpfe von Kindern hinweg getroffen werden im Sinne von „Das geht Dich nichts an“ – das sind alltägliche Situationen, die wir häufig gar nicht als problematisch wahrnehmen. Für Kinder sind sie aber prägend. Sie erleben: Meine Stimme zählt nicht. Ich bin unwichtig, wertlos und entbehrlich. Und genau das ist eine Form von seelischer Gewalt.

Sie sprechen in diesem Zusammenhang von Adultismus. Warum ist dieses Konzept nach wie vor so relevant?

Alexandra Schreiner-Hirsch: Adultismus beschreibt ein tief verankertes Machtgefälle zwischen Erwachsenen und Kindern. Und dieses Machtgefälle wird im Alltag ständig reproduziert – oft unbewusst. Gerade in Zeiten, in denen in Bayern wieder intensiv über Erziehung, Leistungsdruck oder auch Verbote diskutiert wird, müssen wir genauer hinschauen: Geht es wirklich um das Wohl der Kinder – oder darum, dass Erwachsene Kontrolle behalten und „gewinnen“ wollen?

Adultismus macht sichtbar, dass Kinderrechte nicht nur ein politisches Thema sind, sondern jeden Tag im Kleinen entschieden werden.

Können Sie konkrete Beispiele nennen, wie sich das im Familienalltag zeigt?

Alexandra Schreiner-Hirsch: Ja, viele Beispiele sind ganz banal:

Wenn Kinder nie ausreden dürfen.

Wenn ihre Gefühle heruntergespielt werden – „Ist doch nicht so schlimm“.

Wenn immer über ihren Kopf hinweg entschieden wird – etwa bei Freizeit, Kleidung oder Freundschaften. „Die Hose nehmen wir“!

Oder auch: Wenn Kinder regelmässig für Bedürfnisse bestraft werden, die völlig altersgerecht sind – etwa für Lautstärke, Bewegungsdrang oder Emotionen.

Das Problem ist nicht, dass Eltern Grenzen setzen – das müssen sie. Das Problem ist, wie wir das tun. Ob wir Kinder dabei respektieren und wertschätzen oder beschämen und ihnen seelische Narben zufügen.

Welche Folgen hat dieses Verhalten für Kinder?

Alexandra Schreiner-Hirsch: Kinder entwickeln ihr Selbstbild aus dem, was sie täglich erleben. Wenn sie ihre Kindheit über stets erfahren, dass ihre Perspektive nicht interessiert, unwichtig oder falsch ist, verinnerlichen sie genau das. Sie werden unsicher, ziehen sich zurück, passen sich übermäßig an oder werden wütend und aggressiv.

Gleichzeitig lernen sie: „Der Stärkere gewinnt“, „Beschämen ist erlaubt“. Das ist eine gefährliche Botschaft – auch für unsere Gesellschaft. Gewaltfreie Erziehung bedeutet deshalb immer auch, Macht kritisch zu reflektieren.

Was hat das mit Kinderrechten zu tun – und wo sehen Sie hier Handlungsbedarf in Bayern?

Alexandra Schreiner-Hirsch: Kinder haben ein Recht auf Schutz, Förderung und Beteiligung sowie auf gewaltfreie Erziehung (§ 1631 BGB). Das ist kein „Nice-to-have“, sondern völkerrechtlich verbindlich und gesetzlich geregelt. Trotzdem erleben wir im Alltag oft das Gegenteil.

Gerade in Bayern sehen wir, dass Kinderperspektiven in politischen Debatten häufig zu kurz kommen – ebenso wie in der Bildungspolitik, bei Fragen der Mediennutzung oder im Familienalltag.

Deshalb fordern wir: Kinderrechte müssen konsequent mitgedacht und wirklich gelebt werden – in Gesetzen, in Institutionen und im täglichen Umgang. Und sie müssen endlich auch auf Landesebene stärker verankert werden.

Was können Eltern konkret tun, um gewaltfreier und auf Augenhöhe zu erziehen?

Alexandra Schreiner-Hirsch: Es geht nicht um Perfektion, sondern um Haltung. Vier Dinge sind zentral:

  • Zuhören statt übergehen: Kinder ernst nehmen – auch wenn es im Alltag schnell gehen muss.
  • Erklären statt bestimmen: Entscheidungen nachvollziehbar machen.
  • Reflektieren statt reagieren: Sich fragen „Was will ich, dass mein Kind jetzt lernt?“
  • Unterstützung suchen statt allein durchwurschteln: Sprechen Sie mit anderen Eltern über Ihre Erfahrungen. Auch Angebote wie Elternkurse (z.B. Starke Eltern – Starke Kinder® vom Kinderschutzbund) oder kostenlose Erziehungsberatungsstellen können helfen, einen gewaltfreien Erziehungsstil zu finden. Sie sind nicht allein – Adultismus abzulegen ist ein Lernprozess für uns alle.

Und ganz wichtig: Auch Eltern dürfen Fehler machen. Entscheidend ist, dass wir bereit sind, unser Verhalten zu hinterfragen.

Ihr Fazit zum Tag der gewaltfreien Erziehung?

Alexandra Schreiner-Hirsch: Gewaltfreie Erziehung ist kein Ideal, sondern verpflichtend für uns alle. Siehe §1631 Abs 2. – da steht: „Das Kind hat ein Recht auf Pflege und Erziehung unter Ausschluss von Gewalt, körperlichen Bestrafungen, seelischen Verletzungen und anderen entwürdigenden Maßnahmen.“

Wenn wir wollen, dass Kinder wertschätzend, respektvoll und demokratisch handeln, müssen wir ihnen genau das auch vorleben, denn Respekt und Wertschätzung sind keine Einbahnstraße.

Das beginnt nicht in großen politischen Debatten, sondern jeden Tag – im Kinderzimmer, im Klassenzimmer und in der Kita.

Jahresrückblick 2025 – jetzt lesen!

Das Jahr 2025 liegt hinter uns – ein Jahr voller Herausforderungen, Begegnungen und wertvoller gemeinsamer Arbeit für das Wohl von jungen Menschen und Familien in Erlangen und Erlangen-Höchstadt. Als Kinderschutzbund Erlangen blicken wir dankbar auf viele engagierte Projekte, unterstützende Kooperationen und das große Vertrauen zurück, das uns entgegengebracht wurde.

Unser Einsatz galt auch in diesem Jahr dem Schutz, der Förderung und der Stärkung junger Menschen sowie der Unterstützung von Eltern in schwierigen Lebenssituationen. Viele kleine und große Schritte haben dazu beigetragen, Kinderrechte sichtbar zu machen und konkrete Hilfe dort zu leisten, wo sie gebraucht wird.

In unserem Jahresrückblick 2025 möchten wir Ihnen einen Einblick in unsere Arbeit geben, wichtige Entwicklungen aufzeigen und besondere Momente mit Ihnen teilen. Schauen Sie gerne mal rein!

Ehrenbrief der Stadt Erlangen für Ute Auschel

Ehrenbrief der Stadt Erlangen für Ute Auschel

Die Stadt Erlangen hat Ute Auschel mit dem Ehrenbrief für ihre besonderen Verdienste auf dem Gebiet Soziales ausgezeichnet. Oberbürgermeister Florian Janik würdigte im Rahmen der Verleihung ihr langjähriges und außergewöhnliches Engagement für Kinder, Familien und die Stadtgesellschaft.

Seit 2007 engagiert sich Auschel ehrenamtlich beim Kinderschutzbund Erlangen. Mit ihrer beruflichen Expertise als Betriebswirtin trug sie maßgeblich zur professionellen Verwaltung von Notfall- und Bildungsfonds bei und baute wichtige Kontakte zur Stadt Erlangen sowie zum Landkreis Erlangen-Höchstadt auf. Bereits seit März 2008 war Auschel Mitglied des Vorstands, 2014 wurde sie zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Ab Frühjahr 2020 übernahm sie im Team die kommissarische Leitung des Kinderschutzbundes Erlangen. In dieser Funktion verantwortete sie unter anderem die Arbeit von sieben hauptamtlichen Mitarbeiterinnen sowie mehr als 100 Ehrenamtlichen. Über 850 Stunden ehrenamtlicher Arbeit pro Jahr leistete sie für den Kinderschutzbund.

Von März 2022 bis Ende 2025 stand Auschel dem Verein als Erste Vorsitzende vor. In dieser Zeit prägte sie zahlreiche Projekte entscheidend mit. Dazu zählen unter anderem der Ausbau des Integrationsprojekts „Elterntalk“ sowie die Mitwirkung bei der Gründung der Hebammenzentrale im Jahr 2019. Darüber hinaus engagierte sie sich intensiv in den Bereichen Familienpatenschaften, Kinder- und Jugendtelefon, Elterntelefon, begleiteter Umgang sowie in Beratungs- und Vortragsangeboten.

Neben ihrem Engagement beim Kinderschutzbund ist Auschel seit 2012 Mitglied im Kirchenvorstand der evangelisch-lutherischen Altstadtgemeinde Erlangen. Dort wirkte sie federführend an der Planung und Realisierung des Gemeindehauses B11 mit. Für ihr herausragendes Wirken wurde sie bereits im November 2024 mit dem Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten ausgezeichnet.

Jahresstatistik 2025 von „Nummer gegen Kummer“

  • Beratungsbedarf steigt: Über 124.500 Beratungen
  • Psychische Probleme häufigster Beratungsanlass junger Menschen

Der Beratungsbedarf an den Angeboten von „Nummer gegen Kummer“ ist weiterhin hoch. Im vergangenen Jahr führten die Berater*innen insgesamt 124.619 Beratungen mit Kindern, Jugendlichen und Eltern in schwierigen Lebenssituationen. Die Zahlen machen deutlich:

Niedrigschwellige, anonyme, persönliche Beratung – telefonisch und online – wird weiterhin intensiv genutzt.

Besonders deutlich zeigt sich die steigende Nachfrage in der Online-Beratung, die im Vergleich zum Vorjahr um 38 Prozent zulegte. Auch am Kinder- und Jugendtelefon sowie am Elterntelefon nahmen die Beratungen jeweils im Vergleich zum Vorjahr zu.

„Die Zahlen zeigen, wie wichtig es ist, dass wir jungen Menschen aber auch Eltern und anderen Erziehenden weiterhin ein persönliches Beratungsangebot ermöglichen“, erklärt Gisela Wetzel-Willert, Vorstandsvorsitzende des Dachverbands „Nummer gegen Kummer“. „Wer sich an uns wendet, trifft auf qualifizierte Berater*innen, die zuhören, ernst nehmen und unterstützen. Für viele ist genau diese Erfahrung der entscheidende Schritt, um den Mut zu finden erstmals über ihre Sorgen zu sprechen.“

Junge Ratsuchende berichten vermehrt von psychischen Problemen

Die aktuellen Themen der jungen Ratsuchenden machen deutlich, welche Herausforderungen sie beschäftigen. Psychische Probleme waren sowohl am Kinder- und Jugendtelefon als auch in der Online-Beratung im vergangenen Jahr das häufigste Thema. Daneben spielten familiäre Konflikte, Krankheit, Einsamkeit und auch Mobbing eine große Rolle. In der Online-Beratung wurden zudem häufiger selbstverletzendes Verhalten und Suizidalität thematisiert.

Eltern und andere Erziehende wandten sich insbesondere mit Fragen rund um Überforderung im Erziehungsalltag, Konflikte innerhalb der Familie oder Probleme in der Partnerschaft an die Berater*innen des Elterntelefons. Wie entlastend ein offenes Gespräch sein kann, zeigen auch Rückmeldungen von Ratsuchenden:

„Es tat wahnsinnig gut, mit jemandem zu reden, der mir einfach zugehört hat. Auch wenn ich gerade erst am Anfang bin und noch lang nicht alles in Ordnung ist, bin ich einen großen Schritt weitergekommen.“

Das Netzwerk „Nummer gegen Kummer“ bietet Kindern, Jugendlichen und Eltern bundesweit kostenlose und anonyme Beratung am Telefon sowie Online. Geschulte ehrenamtliche Berater*innen unterstützen Ratsuchende dabei, ihre Situation zu sortieren, neue Perspektiven zu entwickeln und eigene Ressourcen zu stärken.

Gemeinsam stark in der Zeugnisphase: Zuhören, entlasten, unterstützen

  • Nummer gegen Kummer e.V. und Bundesschülerkonferenz machen anlässlich der Halbjahreszeugnisse auf wachsende Belastungen junger Menschen aufmerksam

Berlin/Wuppertal, 26.01.2026. Die Halbjahreszeugnisse markieren für viele Schüler*innen eine sensible Phase. Neben schulischen Leistungen rücken in dieser Zeit häufig auch Selbstzweifel, Leistungsdruck, Konflikte im sozialen Umfeld oder Erfahrungen mit Mobbing in den Vordergrund. Die Bundesschülerkonferenz (BSK) und Nummer gegen Kummer e.V. nehmen die anstehende Zeugnisvergabe daher gemeinsam zum Anlass, auf die zunehmenden psychischen Belastungen junger Menschen hinzuweisen – und auf ein System, das Unterstützung leisten soll, aber selbst zunehmend unter Druck steht.

„Die Zeugnisphase darf nicht darüber entscheiden, wie junge Menschen sich selbst sehen oder wie wertvoll sie sich fühlen. Wenn diese Gefühle im Raum Schule jedoch zum Alltag werden, dann entsteht der perfekte Nährboden für Schulangst, Ausgrenzung oder psychische Erkrankungen. Gerade in kritischen Entwicklungsphasen sind solche Einschränkungen oft viel weitreichender und bedürfen schneller Reaktion vom gesamten System.“, sagt die stellvertretende Generalsekretärin der BSK, Lilli Berthold.

Mit ihrer Mental-Health-Kampagne „Uns geht’s gut?“ macht die BSK deutlich, dass Schule längst mehr ist als ein Ort der Wissensvermittlung. Lehrkräfte sollen zuhören, entlasten, unterstützen, Konflikte auffangen und zugleich den Bildungsauftrag erfüllen. Doch viele stoßen dabei an ihre Grenzen. Das Deutsche Schulbarometer 2025* zeigt: 43 Prozent der Lehrkräfte sehen einen hohen Fortbildungsbedarf, um mit den wachsenden psychischen und sozialen Herausforderungen von Schüler*innen umzugehen. Gleichzeitig fehlt es vielerorts an professioneller Unterstützung: Nur 61 Prozent der Lehrkräfte schätzen die psychosoziale Infrastruktur ihrer Schule als ausreichend ein. 38 Prozent der Lehrkräfte gaben an, dass die Unterstützung durch Schulpsychologie an ihrer Schule „überhaupt nicht“ ausreichend ist. Für Schüler*innen bedeutet das: Sie erleben Belastungen, ohne ausreichend zu lernen, wie sie mit Stress, Druck oder starken Gefühlen umgehen können. Themen wie emotionale Selbstregulation, mentale Gesundheit oder der Umgang mit Krisen finden im Schulalltag oft nur am Rand statt – obwohl sie für das Wohlbefinden junger Menschen zentral sind.

Hier setzen die Angebote von Nummer gegen Kummer e.V. an. Mit seinen niederschwelligen, anonymen und kostenlosen Beratungsangeboten bietet der Verein gemeinsam mit seinen Mitgliedsverbänden eine wichtige Anlaufstelle. Kinder, Jugendliche und Eltern können im vertraulichen Gespräch über ihre Themen reden und finden jemanden, der zuhört – unabhängig von Noten, Leistungsbewertungen oder Erwartungen. Gerade in der Zeugnisphase, in der Lernstress häufig mit familiären Spannungen oder persönlichen Sorgen zusammenkommt, sind solche Anlaufstellen von besonderer Bedeutung.

„Nicht jede Belastung kann oder muss in der Schule aufgefangen werden. Umso wichtiger ist es, dass junge Menschen wissen: Es gibt auch Orte außerhalb des Klassenzimmers, an denen sie über ihre Sorgen sprechen können und Unterstützung erfahren.“, sagt Anna Zacharias, Geschäftsführerin von Nummer gegen Kummer e.V.

Die BSK und Nummer gegen Kummer e.V. machen deutlich: Mentale Gesundheit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Zeugnisse sollten nicht zum einzigen Gradmesser für den Wert oder die Zukunft junger Menschen werden. Vielmehr braucht es Verständnis, Gesprächsbereitschaft und verlässliche Unterstützungsangebote – für Schüler*innen ebenso wie für die Erwachsenen, die sie begleiten.

*Robert Bosch Stiftung (2025): Deutsches Schulbarometer: Befragung Lehrkräfte. Ergebnisse zur aktuellen Lage an allgemein- und berufsbildenden Schulen. Stuttgart: Robert Bosch Stiftung

Über die Bundesschülerkonferenz

Die Bundesschülerkonferenz (BSK) ist die ständige Konferenz der Landesschülervertretungen in Deutschland. Sie vertritt die Interessen von Schüler*innen auf Bundesebene und setzt sich unter anderem für bessere Lernbedingungen, Mitbestimmung und die Stärkung der mentalen Gesundheit junger Menschen ein.

Über Nummer gegen Kummer e.V.

Nummer gegen Kummer e.V. ist der Dachverband für örtliche Vereine, die in Deutschland ein Kinder- und Jugendtelefon und Elterntelefon betreiben. Die derzeit 87 lokalen Träger der Beratungstelefone sind überwiegend örtliche Verbände des Deutschen Kinderschutzbundes sowie anderer Wohlfahrtsverbände. Dieses Netzwerk stellt das deutschlandweit größte kostenfreie, telefonische Beratungsangebot für Kinder, Jugendliche und Eltern dar. Speziell ausgebildete und hauptsächlich ehrenamtlich engagierte Berater*innen unterstützen die Anrufenden im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe bei Alltagsproblemen und in schwierigen Lebenssituationen. Zur Finanzierung des Netzwerkes bemühen sich Nummer gegen Kummer e.V. bundesweit und seine Trägervereine lokal um Spenden von Unternehmen, Organisationen und Privatpersonen.

Nummer gegen Kummer e.V. ist aus dem Deutschen Kinderschutzbund hervorgegangen und diesem als Mitglied in seiner Zielsetzung verbunden. Der Dachverband ist Mitglied bei Child Helpline International.

Nummer gegen Kummer e.V. wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und von der Deutschen Telekom unterstützt. Seit 1991 stellt die Deutsche Telekom als Kooperationspartner der Nummer gegen Kummer e.V. die technische Infrastruktur für das bundesweite Beratungsangebot kostenfrei zur Verfügung. Außerdem übernimmt sie die Verbindungsgebühren für die Anrufe an die Beratungstelefone.

Elterntelefon unter 0800 – 111 0 550

Mo – Fr von 9 – 17 Uhr sowie Di und Do von 17 bis 19 Uhr

Kinder- und Jugendtelefon unter 116 111

Mo – Sa von 14 bis 20 Uhr

Online-Beratung für Kinder und Jugendliche per Mail und Chat unter

www.nummergegenkummer.de

Helpline Ukraine für ukrainische Kinder, Jugendliche und Eltern

unter 0800 – 500 225 0

Mo – Fr von 14 bis 17 Uhr

„Bayerns Familien geraten unter Druck – und Kinder tragen die Folgen“

Kinderschutzbund Bayern warnt: Schutzräume für Kinder dürfen nicht bröckeln

München, 2. Dezember 2025 – Die Belastungen für Kinder und Familien in Bayern nehmen spürbar zu. Steigende Lebenshaltungskosten, familiäre Konflikte, psychische Belastungen und digitale Überforderung prägen den Alltag vieler junger Menschen – und bringen Familien in eine Lage, die sie immer häufiger alleine kaum noch bewältigen können. Gleichzeitig geraten Unterstützungsangebote an ihre Grenzen.

Immer deutlicher zeigt sich: Kinder und Jugendliche wirken häufiger erschöpft, verunsichert oder überfordert. Familiäre Spannungen, schulischer Leistungsdruck und digitale Dauerpräsenz verstärken sich gegenseitig. Das Ergebnis ist ein Alltag, der für viele Kinder kaum noch Halt bietet.

„Kinder spüren Krisen mit einer Wucht, die Erwachsene oft unterschätzen. Und wenn Unterstützung fehlt, trifft das die Jüngsten am härtesten. Wir stehen an einem Punkt, an dem Schutzangebote nicht nur wichtig – sondern überlebensnotwendig sind“, warnt Susanna Kaiser, Vorsitzende Landesvorstand des Kinderschutzbundes Bayern.

Der Kinderschutzbund und seine 56 Orts- und Kreisverbände bieten bayernweit Schutz, Stabilität und Orientierung – insbesondere dort, wo staatliche oder schulische Strukturen nicht ausreichen:

  • Begleiteter Umgang: geschützter Rahmen für Kinder in belasteten Trennungs- und Konfliktsituationen
  • Familienpaten Bayern: ehrenamtliche Begleitung, die Familien entlastet und Kindern verlässliche Bezugspersonen schenkt
  • Medienprävention & Medienlöwen Medientraining®: Unterstützung bei digitalem Stress, Cybermobbing und Medienkompetenz
  • Prävention sexualisierter Gewalt (Starke Kinder Kiste®): frühe Stärkung von Selbstwert und Schutzkompetenzen
  • Elternbildung & interkulturelle Beratung: Unterstützung und Orientierung in herausfordernden Lebenslagen

Doch genau diese Angebote sind vielerorts bedroht. Sie sind nicht dauerhaft staatlich finanziert und können nur weitergeführt werden, wenn genügend Mittel bereitstehen. In einzelnen Regionen entstanden bereits Wartelisten – ein deutliches Zeichen, dass der Bedarf stärker wächst als die verfügbaren Ressourcen.

„Wir dürfen nicht zulassen, dass Schutzräume bröckeln, während die Herausforderungen wachsen. Wer heute spendet, sorgt dafür, dass ein Kind morgen nicht allein durch eine Krise gehen muss. Jede Spende ist ein Stück gelebter Kinderschutz in Bayern“, so Kaiser.

Spendenkonto

Kinderschutzbund Landesverband Bayern e.V.

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE82 3702 0500 0007 8025 00

BIC: BFSWDE33XXX

Online-Spende: https://kinderschutzbund-bayern.de/spenden-fuer-kinder/

Kreative Weihnachtswerkstatt beim Kinderschutzbund Erlangen: Miteinander gestalten, Miteinander wachsen

Kreative Weihnachtswerkstatt beim Kinderschutzbund Erlangen: Miteinander gestalten, Miteinander wachsen

Beim ersten Adventslicht wurde es im Ehrenamtsprojekt Familienpatenschaften des Kinderschutzbundes Erlangen besonders stimmungsvoll: Über 50 große und kleine Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen zusammen, um gemeinsam kreativ ins Weihnachtsfest zu starten. In gemütlicher Atmosphäre entstanden bei Plätzchen- und Kinderpunschduft die ersten selbstgemachten Geschenke des Jahres – liebevoll gestaltet aus Holz, alten Buchseiten und buntem Moosgummi. Eine kuschelige Leseecke mit vielen weihnachtlichen Kinderbüchern lud zusätzlich zum Verweilen ein, und eine Patin begeisterte die anwesenden Kinder mit einer lebhaften Vorleserunde.

Auch ein großer Tisch voller Weihnachtskarten wurde rasch zum Mittelpunkt des Vormittags: Mit funkelnden Sternen, warmen Farben und persönlichen Botschaften verziert, gingen viele kleine Kunstwerke aus fleißigen Händen hervor – bestimmt, um anderen eine Freude zu machen und die Adventszeit ein Stück heller zu gestalten.

Dieses fröhliche Miteinander zeigte einmal mehr, was das Projekt Familienpatenschaften ausmacht: Vertrauen, Verbundenheit und das gemeinsame Engagement für Kinder und Familien in Erlangen und Erlangen-Höchstadt. Zum Jahresabschluss wurden auf einem großen Plakat persönliche Glücksmomente aus den Patenschaften festgehalten – von einer stimmungsvollen Laternenwanderung über schöne Gespräche, die Freude beim Wiedersehen, gemeinsames Backen, Lesen und Spielen bis hin zu aufregenden Erlebnissen wie dem Traktor­fahren. Wir danken allen ehrenamtlichen Patinnen und Paten sowie den Patenfamilien ganz herzlich für die wunderbare Zusammenarbeit im vergangenen Jahr und das entgegengebrachte Vertrauen. Wir wünschen allen ein friedliches Weihnachtsfest und einen gelungenen Jahreswechsel!

Interesse am Mitmachen?

Wer sich für das Ehrenamt im neuen Jahr begeistern kann, ist herzlich eingeladen, Kontakt mit unseren Koordinatorinnen aufzunehmen. Die nächste Schulung startet im März 2026. Wir freuen uns über jede neue Unterstützung!